Nachwort von Udo Schuklenk
Die Ethik des Gebens
...gekürzte Fassung des Nachworts aus dem Buch...
„Was für eine großartige Geschichte!"
Ich muß ehrlich sein, ich bin nicht der eifrigste Leser von Romanen. Ich habe einfach nicht die richtige Geduld für dieses Genre. Als Ernst Albert Gradl mir „Salvatores Traum„ zuschickte und fragte, ob ich vielleicht ein Nachwort zu dem Buch schreiben könne, das Sie gerade gelesen haben, habe ich nur zögerlich zugestimmt.
Prof. Udo Schuklenk
schrieb das Nachwort zu "Salvatores Traum"
Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich feststellte, daß das Lesen dieses Buches nicht die Schwerstarbeit war, die ich mir vorgestellt hatte, sondern tatsächlich die reinste Vergnügungsfahrt.
Eine Geschichte, die ganz sicher die Aufmerksamkeit des Lesers bis zum Schluß fesselt.
Ich wollte natürlich wissen, ob da noch mehr dahintersteckt bei Salvatore und Roman, als sie gemeinsam abhauen. Doch halt! Manche Dinge sollten vielleicht lieber unausgesprochen bleiben.
Ernst hat sich dafür entschieden, das Autorenhonorar aus dem Verkauf seines Buches an eine Wohltätigkeitsorganisation zu spenden, die Kinder in Südafrika unterstützt. Großartig! Man könnte versucht sein, zu sagen: „Gut gemacht„. Und dann einfach weitermachen.
Tatsächlich ist es aber so, daß Gradls Entscheidung, auf das Einkommen aus dieser Herzenssache zu verzichten, Teil einer großen Veränderung ist, die wir derzeit auf internationaler Ebene beobachten können.
Während ich dies schrieb, gelang es Bill Gates und Warren Buffett, ungefähr 40 ihrer milliardenschweren Kumpels zu überzeugen, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. i
Selbstverständlich taten sie dies in großem öffentlichem Rahmen. Wenn man schon Gutes tut, dann sollen die Mitmenschen wenigstens auch mitkriegen, daß man Gutes tut. Ich habe früher im Religionsunterricht gelernt, daß genau das falsch ist.
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Nebenbei bemerkt: Ein aktuelles Fachbuch, welches ich zusammen mit Kollegen aus verschiedenen Ländern herausgegeben habe, hat sein Honorar für einen Wohltätigkeitsverein in Südafrika gespendet, der auffallend ähnliche Arbeit leistet, wie der von Ernst Albert Gradl gewählte. ii
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In einem kleineren Maßstab hat mein guter Freund Peter Singer uns dazu ermahnt, regelmäßig einen Prozentsatz unseres Einkommens für wohltätige Zwecke unserer Wahl abzugeben. iii
Die Sache ist die, daß weder das Autorenhonorar vom Buch des Ernst Albert Gradl zu einer großen Veränderung führen wird, noch das Honorar aus dem Fachbuch oder das von einigen wenigen hundert oder tausend Leuten gespendete Geld, die dem Aufruf von Peter Singer für eine wohltätige Tat folgen.
Dennoch, die Menge dieser Initiativen wird für eine beachtliche Veränderung sorgen und jene Ressourcen vermehren, mit deren Hilfe die Lebensbedingungen der Menschen verbessert werden können, die viel weniger Glück hatten als Sie und ich. Das macht es wirklich lohnenswert. iv
Die Frage ist doch: Warum sollten wir uns überhaupt die Mühe machen, so etwas zu tun? Warum sollte der Autor das Geld aus dem Verkauf seines Buches nicht einbehalten und warum sollten meine Kollegen und ich das Geld nicht einfach für uns behalten?
Kurz gefaßt geht es darum: Was ist die Ethik des Gebens? Sind unsere Entscheidungen übergebührliche Wohltätigkeitsaktionen oder haben wir eine starke moralische Verpflichtung, einen Teil unseres Verdien-stes an weniger wohlhabende Menschen zu geben?
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Denken Sie einfach mal darüber nach: Wenn es zwei Planeten geben würde, und Sie dürften wählen, auf welchem der beiden Sie lieber leben würden. Beide Planeten sind so ziemlich identisch, bis auf eine Sache: Auf einem der Planeten leiden die Bewohner eindeutig mehr als auf dem anderen.
Würden Sie nicht den auswählen, wo es weniger Leiden und rundherum glücklichere Bewohner gibt? Die meisten von uns würden sich zweifellos für den glücklicheren, gesünderen Planeten entscheiden, wenn wir wählen müßten.
Daran sehen Sie, was für uns wünschenswerte Ziele sind.
Wenn es also so wäre, daß wir unseren Planeten glücklicher und gesünder machen können, indem wir ein bißchen von dem, was wir haben, an die abgeben, die viel weniger haben, damit auch sie glücklicher und gesünder sein können, dann sollten wir dies tun.
Die konkrete Frage, wie viel wir geben sollten, stellt sich im Prinzip uns allen gleich. In absoluten Zahlen gesehen gibt es da große Unterschiede, weil einfach unsere individuellen Möglichkeiten zur Unterstützung weit auseinandergehen. Milliardäre können mehr geben als ihre Angestellten.
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Die Entscheidung von Ernst Albert Gradl, das Autorenhonorar aus seinem aufregenden Roman zu spenden, war ganz sicher die richtige Entscheidung.
Und welchen Beitrag werden Sie leisten?
Udo Schuklenk
Ontario, 12. November 2010
Professor der Philosophie und Inhaber
des Forschungslehrstuhls für Bioethik
der Universitäten in Ontario, Kanada.
Quellennachweise
- i - http://www.ft.com/cms/s/0/ad995570-a3eb-11df-9e3a-00144feabdc0.html?ftcamp=rss
- ii - http://ca.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-1405175222,descCd-relatedWebsites.htmliii - http://people.brandeis.edu/~teuber/singermag.html
- iv - http://en.wikipedia.org/wiki/The_Life_You_Can_Save
- v - Eg P Unger. Living high and letting die. New York, Oxford UP 1996 (Unger donates his royalties to UNICEF)



